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Für dich soll's ewig rote Rosen geben


Länge Unterhaltung Spannung Action Musik Erotik Anspruch Eindruck Gesamt
**** **** **** - ***** *** *** ***** 86%
 

 
Wer rettet die Rosen? Der Debütfilm des italienischen Regisseurs Cesare Furesi zeigt in ruhigen Bildern die unerschütterliche Liebe eines Mannes zu seinem im Sterben liegenden Partner. Der Zuschauer, an amerikanische Filmtechniken gewohnt, muss sich auf eine Erzählweise einstellen, die in einem hervorragenden Zusammenspiel von Bildern und Filmmusik – bis auf wenige Abstriche – Filmgenuss versprechen.


Der ehemalige Rechtsanwalt und professionelle Pokerspieler Giulio Santelia (Carlo Delle Piane) pflegt seinen todkranken Partner Claudio (Lando Buzzanca). Die Männer sind seit Jahrzehnten ein Paar. Giulio hat für die Pflege seinen Beruf und das Pokerspielen aufgegeben.

Für dich soll's ewig rote Rosen geben

Claudios Krankheit hat die finanziellen Mittel des Paares aufgefressen. Giulio hat die Möbel ihrer Villa im Hafenstädtchen Alghero auf der Insel Sardinien verkauft, so wie er auch den Gärtner und die Haushälterin entlassen hat. Jetzt führt Giulio jeden Morgen eine Charade für Claudio auf, der sein Zimmer im ersten Stock schon lange nicht mehr verlassen hat.

Mit einem Tonband spielt er eine Unterhaltung mit der nicht mehr anwesenden Haushälterin nach und jeden Tag bringt er Claudio eine Rose ans Bett, die der Gärtner angeblich frisch für ihn geschnitten hat. Der Rosengarten war Claudios ganzer Stolz.

Aber auch Giulio ist vom Alter gezeichnet und die Pflege wird ihm fast zu viel. Außerdem droht er, durch hohe Schulden die Villa zu verlieren. In seiner Verzweiflung versucht er, seine Tochter Valeria (Caterina Murino) und seinen Enkel Marco (Guenda Goria) nach Alghero zu locken, um ihm zu helfen.

Claudio, der von Valeria erfährt, wie es um Giulio und ihre finanzielle Situation gestellt ist, möchte, dass Guilio die Einladung zu einem Pokerspiel annimmt, bei dem ein großer Gewinn in Aussicht steht.

Für dich soll's ewig rote Rosen geben


Mit knapp 60 Jahren seinen ersten abendfüllenden Spielfilm zu drehen, der dann auch noch erfolgreich ist, ist nicht der Normalfall. Dem Regisseur Cesare Furesi ist dies für sein italienisches Publikum gelungen. Der Film "Chi salverà le rose" (Für Dich soll's ewig Rosen geben) erhielt drei Nominierungen beim Globo D'Oro 2017, für das beste Filmdebüt, die beste Filmmusik (Marcello Peghin) und für den besten Hauptdarsteller (Carlo Delle Piane).

Als Fan vor allem amerikanischer Serien hat sich mein Auge an schnelle Schnitte, überraschende Effekte und Wendungen gewöhnt. "Chi salverà de rose" ist so ganz anders. Schon die Anfangsszene zieht den Zuschauer in die ruhige Erzählweise des Fils hinein.

Ein mit Gras überwucherter Weg, links und rechts von ungeschnittenen Büschen eingerahmt. Im Hintergrund sieht man ein wenig einer weißen Hausfassade. Ein alter Mann im Jogginganzug, schlurft langsam über den Weg in den Bildvordergrund. Er bleibt stehen, sichtlich erschöpft nach Luft ringend. Er geht weiter und Musik setzt ein.

Eine akustische Gitarre, die eine einfache Melodie spielt, die man sich sehr gut in einem kleinen Hafencafé auf Sardinien vorstellen kann.

Der Mann bleibt noch einmal stehen. Die Musik setzt aus. Wieder holt der Mann tief Luft, um dann seinen Weg fortzusetzen. Die Musik setzt wieder ein und zur Gitarre kommen ein Altsaxophon und eine Klarinette hinzu.

Noch ein paar Schritte dann ist der alte Mann am schmiedeeisernen Tor und der Zuschauer sieht nur eine Hand, die einen Brief durch das Gitter reicht. Der alte Mann nimmt den Brief wortlos entgegen. "Annahme verweigert" steht darauf.

Die Schultern gehen resigniert nach unten, der Mann dreht sich um und schlurft den Weg zurück.

Diese erste Szene ist einfach umwerfend. Ich habe sie mir mehrfach angesehen. Es ist eine Komposition aus Schauspielkunst, Kameraführung und der Musik des italienischen Gitarrenkünstlers Marcello Peghin in perfekter Harmonie. Das zieht sich durch den ganzen Film, wenn auch nicht immer auf dem hohen Niveau der ersten Szene.

Für dich soll's ewig rote Rosen geben

Die Geschichte ist simpel und genauso konventionell erzählt. Aber die Bilder, die Cesare Furesi findet, sind einfach nur schön. Der Regisseur muss wirklich in seine Geburtsstadt verliebt sein. Alghero, an der nördlichen Westküste von Sardinien, ist eine hübsche kleine Hafenstadt mit malerischen Ansichten. Ich habe jedenfalls nach diesem Film Lust bekommen, dort einmal Urlaub zu machen.

Carlo Delle Piane ist großartig in seiner Rolle als Guilio Santelia. Er führt das tägliche Theater, das er für seinen Lebensgefährten aufführt, mit einer fast tragischen selbstverständlichen Routine auf. Er hat die Täuschung so perfektioniert, dass es ihm keine Mühe bereitet, die zaghaften Versuche von Claudio, sein Bett zu verlassen, zu unterdrücken.

Der Zuschauer erkennt schnell, dass Giulio dieses Schauspiel auf Dauer nicht aufrechterhalten kann. Die Strapazen sind zu groß. Noch schlimmer aber ist das finanzielle Problem, dass mit einer Pfändung des Hauses den liebevollen Betrug platzen lassen würde.

Schade ist, dass Antonio Careddu als Claudio wenig überzeugend ist. Er wirkt kaum wie ein schwer kranker Mann, der seit Monaten oder Jahren sein Bett nicht mehr verlassen kann. Seine Gefühlswelt bleibt im Dunklen. Die Freude, Valeria und den "Enkel" Marco wiederzusehen, wirkt echter als die morgendlichen Kabbeleien zwischen ihm und Giulio.

Für dich soll's ewig rote Rosen geben

Der Handlungsstrang, der parallel die Tochter Valeria und den Enkel Marco zeigt, wirkt wie ein kleiner Fremdkörper. Warum Valeria ihren Vater ablehnt, bleibt oberflächlich. Der Film lässt auch der emotionalen Wende zum Vater hin, kaum Raum. Aber das ist eigentlich auch nebensächlich. „Für dich soll’s ewig Rosen geben“ konzentriert sich auf die Figur des Giulio und wirkt fast wie ein Kammerspiel, bei dem die anderen Darsteller nur den Rahmen für die Dialoge bieten.

Der italienische Titel des Films "Chi salverà le rose" bezieht sich auf die Liebe und den Stolz Claudios auf seinen Rosengarten, den er selbst nicht mehr pflegen kann. Wer rettet die Rosen? Es gibt keinen Gärtner mehr und Giulio scheint mit der Rosenzucht überfordert zu sein. Jede freie Fläche in Claudios Zimmer ist mit Vasen und Rosen in verschiedenen Frischestadien belegt. Claudio kann sich von keiner trennen.

Warum der deutsche Verleih diesen Titel nicht übernommen hat, kann ich nicht beurteilen. "Für dich soll's ewig Rosen geben". Das erinnert an den Chanson von Hildegard Knef "Für dich soll's rote Rosen regnen". Das ist vollkommen unnötig und für meinen Geschmack zu plakativ in die Richtung der Travestieszene, in der Hildegard Knef gerne dargestellt wird.


homochrom

  • In NRW läuft "Für dich soll's ewig rote Rosen geben im Rahmen der Filmreihe homochrom in sechs Vorstellungen.
  • Der Film wird im Kino im italienischen Original mit deutschen Untertiteln gezeigt.

    Für dich soll's ewig rote Rosen geben
    Für alle Bilder gilt:
    ©, by PRO-FUN MEDIA

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    Fakten
    Originaltitel:
    Chi salverà le rose?
     
    deutscher Kinostart am:
    15.03.2018
     
    auf DVD/Blu-ray/VoD ab:
    27.04.2018
     
    Genre:
    Drama
     
    Regie:
    Cesare Furesi
     
    Dieser Film wurde bewertet von:
    PeTra(86%)
     
    Texte:
    PeTra
     
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